Stricken ist wieder in. Vorbei ist das verstaubte Image aus dem Handarbeitunterricht, wo die Schüler – oft widerwillig – eine Mütze stricken mussten, die sie nicht trugen, weil sie ihnen nicht gefiel.

Heute gibt es auch für Anfänger trendige Wolle, coole Strick-Designs und gut verständliche Anleitungen auf Youtube. Diese Entwicklung ist Hildegard Burgener von der Wollboutique in der Brugger Altstadt nicht entgangen.

 

Genau heute vor zehn Jahren öffnete die Walliserin zum ersten Mal ihren Laden am damaligen Standort an der Zürcherstrasse in Windisch. Treuer Begleiter war ihr Berner Sennenhund Tosca.

Der oft liegende Vierbeiner versetzte eine Kundin einmal ganz schön in Schrecken, als er seinen Kopf hob, denn sie hatte ihn für einen flauschigen Teppich gehalten. Burgener war im Wollladen eine Quereinsteigerin und erklärt: «Ich arbeitete früher im Service, unter anderem im Personalrestaurant der Lonza in Visp. Stricken war aber schon immer mein grosses Hobby.»

 

Von Deutschland in den Aargau

 

In den Aargau kam die Brigerin mit ihrem Ehemann Louis, ebenfalls einem Walliser, als dieser die neue Stelle als technischer Leiter im Kurtheater Baden antrat. Zuvor hatte das Paar einige Jahre in Deutschland gelebt.

Für Hildegard Burgener war klar, dass sie nahe dem Wohnort Brugg ebenfalls einer Arbeit nachgehen wird. Der Wollladen kam da wie gerufen. Nach zwei Jahren in Windisch musste sie ein neues Lokal suchen, weil der Mietvertrag gekündigt wurde.

 

Dank Hinweisen von Bekannten fand sie in der Liegenschaft von Uhrenmacher Max Bill an der Hauptstrasse 15 in Brugg einen geeigneten Standort. Der Umzug von Windisch in die Brugger Altstadt hatte für Burgener den Vorteil, dass sie die Stammkundschaft mitnehmen und vermehrt Laufkundschaft ansprechen konnte.

 

Um sich über die neusten Trends zu informieren, besucht Hildegard Burgener jeden Frühling eine Fachmesse in Köln. Neben unzähligen Wollknäueln und Garnen in allen möglichen Farben führt sie in ihrem Sortiment auch Stickgarn, Faden sowie Magazine und sehr viel Handarbeitszubehör.

 

Während dem Gespräch kommen immer wieder Kundinnen in die Wollboutique, die einen speziellen Wunsch haben oder einen Tipp brauchen. Burgener hat einen ausgeprägten Walliser-Dialekt und gibt freundlich Auskunft. Besonders gefragt sind aktuell Materialien mit schönem Farbverlauf für Dreiecktücher.

 

Es sind nur wenige Männer, welche die Geschäftsinhaberin zu ihren Kunden zählen kann. «Meistens kommen sie im Auftrag der Frau und bringen die Banderole mit», erzählt Burgener. Amüsiert erinnert sie sich an die Zeit, als die gehäkelten Kappen in Neonfarben plötzlich Mode wurden und auch Burschen ihren Laden aufsuchten. «Diesen Trend hatte an der Fachmesse in Köln niemand erkannt und die Lieferanten mussten schnell reagieren.»

 

Sicher bis zur Pensionierung

 

Insgesamt gibt es mehr strickende als häkelnde Kundinnen, stellt die Ladenbesitzerin fest. Die Stickgarne kommen meist für Kreuzstiche und bei Jugendlichen noch öfter zum Knüpfen von Freundschaftsbändern zum Einsatz.

 

Nach Feierabend greift Hildegard Burgener zu Hause zur Entspannung jeweils selbst zu Wolle und Stricknadeln. Sämtliche Modelle in der Wollboutique sind unverkäuflich, weil die 59-Jährige die Pullover und Jacken in ihrer Grösse gestrickt hat und auch regelmässig trägt.

 

Burgener blickt optimistisch in die Zukunft: «Ich mache sicher noch bis zur Pensionierung mit meinem Geschäft weiter.» Sie ist froh, dass sie in den vergangenen zehn Jahren nur an einem Tag krank war.

 

Das Jubiläum will sie nächste Woche am 23. und 24. Februar mit ihrer Kundschaft feiern. Es gibt 10% Rabatt auf alles.

Der Laden steht am Samstag bis 16 Uhr und nicht nur wie sonst bis 12 Uhr offen.